Review: Träge Transformation – Welche Denkfehler den digitalen Wandel blockieren

Aktuell trendet im deutschsprachigen LinkedIn #trägetransformation. Das Hashtag beschreibt nicht nur den schon länger allgemein bekannten Status der Digitalisierung in Deutschland, sondern auch das neue Reclam Buch von Sascha Frieske und Johanna Sprondel. In ihrer Streitschrift entzaubern sie neun Mythen von Innovation und Transformation, die ihren Platz hatten, aber heute zu nichts als leeren Phrasen verkommen sind.

Unter »Am Anfang steht die Vision«, »Technologie ist die Lösung«, »Beschleunigung durch Komplexitätsreduktion«, »Neu ist besser als gut«, »Neues entsteht durch Vernetzung«, »Transparenz führt zu Sichtbarkeit«, »Wir müssen von Start-ups lernen«, »Von überall droht Disruption«, und »Wir brauchen eine neue Fehlerkultur« zeigen sie auf, wo gutmeinende Unternehmen und Verwaltungen sich an Stelle davon ihr Kerngeschäft zu verbessern, in Floskeln verlieren und mehr Potenziale verheizen als Erfolge erzielen.

Überraschend ist der Blick über den Tellerrand der Beiden. Obwohl einen wirtschaftlichen Forschungshintergründen haben, referenzieren sie primär Sozialwissenschaftler*innen und beziehen sich sogar auf Lenin zu den Themen Revolution und Reformation. Das Buchman möchte es ein Pamphlet nennen, stellt keinen Anspruch auf Weisungshoheit. Wer sich nach dem Lesen provoziert fühlt, sollte hinterfragen, weshalb man für seine „Fakten getriebenen“ Entscheidungen eine solche Leidenschaft entwickelt hat. Die Lektüre ist empfehlenswert und das Buch eine erfrischende Herausforderung an das Denken von Politiker*innen, Berater*innen und selbsternannten Transformationsexpert*innen.

Autoren: Prof. Dr. Alexander Ebner, Korhan Akdemir, Luca Tom Bauer